Marion Reisinger Kunstkatalog

Termine:


4.10.22 19h Eröffnung Ausstellung Innovationshauptplatz Linz

18.10.22 19h Katalogpräsentation Innovationshauptplatz Linz

31.10.22 20h Finissage Innovationshauptplatz Linz

?.11.22 19h Eröffnung Ausstellung Kapelle Gut Oberstockstall Kirchberg am Wagram


www.marionreisinger.at


female positions


female positions - 20 Positionen in Form von Analysen, Erlebnissen, Erfahrungen, Sehnsüchten und Veränderungsansätzen, die das Hier und Jetzt aus weiblicher Sicht abbilden - 20 Blickwinkel zur Verortung von Geschlechtergerechtigkeit. Es gibt noch viel zu tun..

Termine Lesungen :

19.10.22 19h Kulturhaus Wolfern

3.11.22 18h Eferdinger Gastzimmer

Vergangene Lesungen:

22.9.22 19h Depot- Kunst und Diskussion Wien

14.8.22 18h Eleonore - Lesung am Schiff Traunufer Linz

30.6.22 19h Verein MakART Linz

22.6.22 18h Altes Rathaus Linz


Der Salon

"Zum Gespräch zwischen 18 und 20 Uhr ging man also zu Julie de Lespinasse, zum Souper in den späteren Abendstunden zu Madame du Deffand, montags zu Madame Geoffrin, dienstags zu Madame de Tencin und so fort."

Die Salonkultur ist ein bedeutendes Phänomen des 17. bis 20. Jahrhunderts, das der Initiative von Frauen zu verdanken ist. Es war der Anfang der Frauenemanzipation. Das eigenständige Bemühen um Bildung und Unterhaltung schuf dieses Gegenstück zu der von Männern dominierten Gesellschaft. Für die Gesamtgesellschaft leisteten Salons eine überaus integrierende und wertvolle Kulturarbeit. Eingebettet in ein sich über ganz Europa erstreckendes Netz wurden Informationen ausgetauscht; es entstanden vielfältigste Verbindungen von Kunst, Literatur, Musik, Theater und Politik, die sich gegenseitig bereicherten und unabhängig von nationalen Grenzen, Orte der Weltoffenheit, Verständigung und Freundschaft entstehen ließen ( aus Anett Oertel: Der literarische Salon der Berta Zuckerkandl, 2000, Wien).

Der Salon bezeichnet "einen Ort weiblicher Kultur", er "kristallisiert sich um eine Frau", in unserem Fall um mehrere Frauen.

Der Salon in Linz startet als 3teilige Reihe.

Termine:

1.12.22 19h Wissensturm Linz

14.3.23 19h Theater Phönix

1.5.23 19h tba


Die Kolumne in der Referentin

#1

Wer sind wir?

Und wie wurden wir die, die wir sind?

Was ist in uns angelegt? Was ist durch Erziehung, Sozialisation und Gesellschaft weg- und hinzugekommen?

Wo stehen wir?

Und wovon träumen wir, wenn man uns fragt?

Die Welt bricht wieder einmal auseinander. Gerade lässt uns die Pandemie Zeit zum Verschnaufen, müssen wir uns in Europa mit einem Krieg auseinandersetzen - weil ein alter, weißer Diktator beschlossen hat, sein Aggressionspotential auszuleben.

Aber es geht in einem viel größeren Sinn um Demokratie, die wieder einmal verhandelt werden muss, verbunden mit vielen Rechten und Errungenschaften. In der allgemein aufgeheizten Stimmung werden etwa diejenigen Stimmen wieder laut, nicht nur in Russland, sondern z. B. auch in den republikanisch geführten Bundesstaaten der USA, die z. B. Abtreibungsrechte und Rechte für LGBTQ's beschneiden möchten. Weil Krisen sind auch immer da, um bereits sicher geglaubte Rechte wieder rückgängig zu machen. Krisen sind da immer eine willkommene Rechtfertigung.

Die Pandemie hat uns das einmal mehr eindrücklich vor Augen geführt. Wie es auch um die Geschlechtergerechtigkeit in unserem Land bestellt ist. Bekannterweise sahen sich Frauen von einem Tag auf den anderen wieder in der Heimchen-am-Herd-Position. Kochen, putzen, waschen, Kinder betreuen, Hausaufgaben machen, von zu Hause arbeiten - ein Traum für alle Frauen. Doch Frauen haben seit Jahrhunderten um ihre Rechte gekämpft - und sollen, können und werden das Feld nicht (schon wieder) den Männern überlassen. Der Aufruf "Frauen aller Länder vereinigt euch" mag dabei nicht neu sein und wegen der unterschiedlichen Lebensrealitäten dieser Frauen-Weltbevölkerung auch nicht ganz leicht umzusetzen, doch im Kern sollte es immer wieder um eine neu ausgerufene Solidarität zwischen Frauen gehen. Aber wie kann das in diesem Klassen-Race- und Gender-Umfang von "Frauen aller Länder" ein Ansatz sein? Und wo fängt man da mit einem solidarischen Wir an? Ein solidarisches Wir, das weder Abstraktum noch Theorie bleibt, sondern aus unmittelbarer, diverser Erfahrung gespeist ist?

Wir - und das meint jetzt eine Herausgeberinnen-Gruppe von drei Frauen - haben jedenfalls einen anderen Weg als den männlichen einschlagen. Wir wollen uns, einfach gesagt, unser Leben so gestalten, wie wir es wollen und wie es uns Spaß macht. Und falls das ein wenig nach Pippi Langstrumpf klingen mag, geht es eben gerade nicht darum, jeden Tag ein Pferd hochstemmen zu müssen. Wir wollen auch nicht einen technischen Beruf erlernen, wenn uns das nicht taugt und wir wollen auch nicht 60 Wochenstunden arbeiten, um zu glauben, dass wir wichtig und unabkömmlich sind. Wir wollen nicht wie Männer sein müssen, um uns zu behaupten. Wir wollen einfach die Hälfte des Geldes, der Macht und der Positionen, die uns zustehen, eben weil wir die andere Hälfte der Menschheit sind. Und wir wollen einfach so sein wie wir sind. Das heißt auch, dass die andere Hälfte der sozialen Realität, das Sorgen um/für Andere, das Beziehungen am Laufen halten und das Freundschaften pflegen, nicht grundsätzlich vernachlässigt werden sollen. Und das ist es auch, was eine Gesellschaft ausmacht und von der sie lebt, und auch in Zukunft überleben wird können!

Für unsere Publikation female positions haben wir 10 Frauen gewinnen können, die mit uns ein Jahr lang über all die Probleme diskutiert haben, die uns und wahrscheinlich viele Frauen beschäftigen. Diese Frauen haben ihre ganz persönlichen Geschichten aufgeschrieben, um uns und andere daran teilhaben zu lassen. Nach dem Lesen der Texte ist uns (wieder) klar geworden, dass es nur darum gehen soll, uns selbst zu gefallen und uns wieder in erster Linie mit anderen Frauen zu solidarisieren - Solidarity, Sisters!

Durch diese Solidarität, durch das Miteinander der Frauen ist es möglich, die Gesellschaft zu verändern und zwar, indem wir zuallererst unser Leben so leben, wie wir es für richtig halten. Und auch wenn es banal und etwas naiv klingen mag: Die Gesellschaft wird sich dann einfach - und in aller Diversität - danach ausrichten müssen und dadurch verändern.

Wovon träumen wir?

Jahrelang haben wir mit dem Gedanken gespielt ein Buch zu machen. Wir haben hier einen feministischen Ansatz gewählt, der undogmatisch an direkten Erfahrungsbereichen und Expertisen ansetzt. Wir wollten Frauen als Autorinnen gewinnen, die wir sehr schätzen und bewundern. Die meisten, die wir angefragt haben, haben zugesagt. Und haben beim Schreiben zum Teil sehr gekämpft damit, ihre persönlichen Standpunkte in Texten zu verarbeiten.

Entstanden sind female positions.

Female positions erscheint am 22. 6. 22.

#2

"Mein Sohn lebt in einem Matriarchat", verkündet mein Onkel meiner Begleitung und mir beim Kaffee im kühlen Esszimmer ... der Sohn, mein Cousin, sitzt ebenfalls mit uns am liebevoll gedeckten Tisch, auf dem kleine Brötchen mit Schinken und Mayonnaise und ein Teller mit verschiedenen bunten Kuchenstücken den draußen beinahe unerträglich heißen Nachmittag schmackhaft begleiten. Eine Frage der Gastfreundschaft, denn meine Tante ist eine erfahrene, routinierte Gastgeberin.

Mein Cousin versucht der Aussage seines Vaters durch Lachen und Kopfschütteln etwas Scherzhaftes zu geben. Nicht, weil es ihm peinlich wäre, in einem Matriarchat zu leben, oder ebenso zu leben, wie er eben lebt mit einer gebildeten, beruflich erfolgreichen Frau und einer Tochter, die fast so groß ist wie er und gerade begonnen hat zu studieren. Ein artiges Kind, lernt brav. Auch mein Cousin ist erfolgreich in dem was er tut, aber er spricht wenig darüber, er ist nicht der Nabel der Welt ...

Nein, es ist ihm unangenehm, weil mein Onkel diesen Zustand sichtlich als verwerflich darstellen möchte, als wenig erstrebenswert. Die Kritik am Familienleben des Sohnes im Begriff des Matriarchats zu verpacken mit der Absicht, es ein wenig lächerlich erscheinen zu lassen, das findet mein Cousin unpassend. In Wahrheit macht es dem Vater zu schaffen, dass seine Schwiegertochter nicht allem zustimmt und eigene Vorstellungen hat. Nicht nur in der Beziehung, sondern in ihrer ganzen Lebensführung. Sie betrachtet die Generation, die dem Establishment nacheifert und sich dem guten Leben uneingeschränkt und unkritisch hingibt, ihrerseits kritisch. Sie folgt dem Leistungsprinzip durchaus, aber mit etwas mehr Bewusstsein für die Probleme, die es nebenbei auch noch gibt auf der Welt.

Ich sage zu meinem Cousin (ebenso scherzhaft): "Vielleicht sollte deine Frau auch ein Buch herausgeben!"

Mein Onkel hat natürlich schon mehrmals Bücher herausgegeben - in denen es hauptsächlich um ihn und seine Arbeit geht - da sollte sie mal nachziehen die Schwiegertochter, die Matriarchin. Das könnte dann neben den Büchern meines Onkels im Bücherregal stehen.

Und damit zurück zu meinem Onkel. Er ist beruflich sehr erfolgreich und ist ein kluger Mann mit einem gewissen Hang zur Selbstliebe, wie das bei erfolgreichen Menschen nicht ganz unüblich ist und sich bei älteren Männern zunehmend stärker ausprägt. Er ist der Überzeugung, dass zwei Menschen gemeinsam mehr schaffen können als einer allein - was Tante und Onkel absolut vorgelebt haben - und dass diese beiden Menschen dann auch Verantwortung füreinander übernehmen müssen - Scheidungen findet er völlig absurd. So weit so gut. Dem kann ich durchaus etwas abgewinnen. Und seiner Annahme, dass es allein schwieriger ist als zu zweit, kann ich aus Erfahrung nichts entgegensetzen.

Doch die Zeiten haben sich verändert. Die geübte Hausfrau, Mutter und Gefährtin zu sein und den Erfolg der besseren Hälfte mit jeder Faser zu unterstützen, ist selten geworden. Oder besser gesagt, das selten gewordene Modell wir trotzdem ausprobiert - auch umgekehrt - und oft verworfen. Oder bestenfalls kreativ umgewandelt - auch das bringen Beziehungen mitunter zustande. Dazu bedarf es allerdings weder eines Matriarchats noch eines Patriarchats - ich würde es "ein modernes Familienleben" nennen.

Momentan sehe ich viele Familien, die genau deshalb funktionieren, weil niemand auch nur eine überzählige Minute Zeit hat, sich darüber Gedanken zu machen, ob das alles befriedigend ist. Überforderung an allen Ecken und Enden. Aber es funktioniert - fernab jeder Romantik!

Sich ein paar Gedanken zu machen über Gehalts- und Pensionsanpassungen, geschlechtergerechte innerbetriebliche Strukturen und Berufsbilder wäre gerade deshalb hilfreich.


https://diereferentin.servus.at/female-positions